Wissenskulturen der Gegenwart

Dass “Wissen” ein zentraler Bestandteil von “Kultur” ist und dass jede Gesellschaft durch spezifische Wissensformen und Modi der Bewahrung und Weitergabe von Wissen gekennzeichnet ist, sind Gemeinplätze der Kultursoziologie und der Gesellschaftsanalyse. Allem Anschein nach scheint “Wissen” - insbesondere die aufwändige Produktion, Pflege und Aufbereitung von Wissen sowie die massive Vermehrung und extensive Nutzung von bestimmten Wissensformen (vor allem: technisches und wissenschaftlich geprägtes Wissen) – jedoch gerade in der Gegenwartsgesellschaft eine ganz besondere Bedeutung erlangt zu haben. Hochentwickelte technische Gerätschaften und Expertensysteme bestimmen heute zunehmend den Alltag von immer mehr Menschen weltweit. Sie sind heute ein wesentlicher Bestandteil des sozialen Miteinanders, indem sie soziales Handeln ganz wesentlich steuern und anleiten und einen nicht unwesentlichen Teil des sozialen Austausches überhaupt erst ermöglichen, vermitteln und aktualisieren. Unterschiedlichste Formen von Expertenwissen und hochspezialisierte Wissenskulturen, die für Laien kaum mehr oder nicht mehr verständlich und nachvollziehbar sind, stehen heute im Zentrum der gesellschaftlichen Reproduktion und leiten gesellschaftliche Entwicklungen an. Die gegenwärtige Gesellschaft wird daher auch weit über die Soziologie hinaus als “Wissensgesellschaft” beschrieben und von der Politik und Wirtschaft entsprechend beschworen und geformt.  

Was ist und was bedeutet “Wissen” vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen? Ist "Wissen" unter diesen Umständen überhaupt noch möglich? Und in welchem Verhältnis stehen Wissen und Nicht-Wissen in der heutigen "Wissensgesellschaft"? Diese Diskussionen und diese Fragen stehen im Zentrum des Seminars “Wissenskulturen der Gegenwart”. Im Anschluss an die breit gefächerte soziologische Literatur zur Bedeutung und zur Entwicklung von Wissen in der Moderne werden zunächst Konzepte und Grundbegriffe der wissenssoziologischen Analyse erarbeitet. Im weiteren Verlauf des Seminars werden einzelne besonders prägende Wissensbereiche und Wissenskulturen genauer beleuchtet: etwa aktuelle Konzepte und Techniken der sozialen Steuerung und der Kriminalitätsbekämpfung; heutige Vorstellungen, Konzepte und Techniken der Psychotherapie und der Persönlichkeitsentwicklung; die Expansion von Expertensystemen und nicht zuletzt auch die aktuelle Diskussion um künstliche Intelligenz und BigData.

Bei der Auswahl der Texte und Themen sollen die Interessen und Neigungen der Seminarteilnehmer*innen besonders berücksichtigt werden. Daher wird ein hohes Maß an Eigeninteresse und aktiver Mitarbeit vorausgesetzt.

Anmeldung erfolgt über “MeinCampus”. Sollte dies nicht möglich sein, dann schreiben Sie bitte eine kurze Mail an den Seminarleiter. Weitere Informationen zur Organisation des Seminars, zur Gestaltung der einzelnen Seminarsitzungen sowie zu Prüfungsleistungen werden in der ersten Seminarsitzung besprochen.

 

Zur Einführung empfohlen:

Bogner, Alexander (2012): Gesellschaftsdiagnosen. Ein Überblick. Juventa.

Knoblauch, Hubert (2014): Wissenssoziologie. UTB.

Stehr, Nico/Grundmann, Reiner (2010): Expertenwissen: die Kultur und die Macht von Experten, Beratern und Ratgebern. Velbrück.

Datenblatt
Semester: 
Sommersemester 2015
Ort und Zeit: 
5.013, Di 14:15-15:45
Sprache: 
Deutsch
ECTS MA: 
10.0

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